Einer von ihnen

Die Diskussion rund um den angeblichen „Geschlechterkampf“ bei den Grünen nimmt immer absurdere Ausmaße an. Es stellt sich die Frage: Was passiert denn da gerade? Erschreckend mit welch unreflektierten Argumenten sich sonst durchaus vernunftbegabte Menschen in diese Diskussion einbringen. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie sind Männer und sie verstehen Voggenhuber als einen von ihnen. In dem Maß in dem sich Voggenhuber selbst angegriffen fühlt, fühlen auch sie sich angegriffen. Eine tiefsitzende Paranoia greift um sich: Jeder könnte der Nächste sein. Die Privilegienritter reiten aus um ihre althergebrachten Rechte zu verteidigen, dieses Bild entsteht beim lesen und hören vieler Kommentare.

Die Diskussion um patriarchale Strukturen, um Sexismus in unserer Gesellschaft wird viel zu selten und viel zu oberflächlich geführt, das wird in der aktuellen Debatte wieder einmal augenscheinlich. Wie wildgeworden versucht da eine Reihe von Männern die Definitionsmacht über Sexismus an sich zu reißen. Es geht schon lange nicht mehr um Voggenhuber. Es geht um die „einschlägigen Alice-Schwarzer-Sprüche aus den letzten Emma-Jahrzehnten“ in denen „viel pauschalierende Männerverachtung“ steckt (Josef C. Aigner, DER  STANDARD, 06. 02. 09), um das „(schein-)triumphierende Feminat“ am „Irrweg ins Sektierertum“ (Hans Rauscher, DER STANDARD, 03. 02. 09).

Es geht darum, dass sich viele Männer nie ernsthaft mit dem Anliegen des Feminismus auseinandergesetzt haben, dass ihnen feministische Gesellschaftskritik immer lästig gefallen ist – ja, sie ist es auch, weil sie Reflexion des eigenen Verhaltens verlangt, weil sie Veränderung von tradierten Gesellschaftsstrukturen notwendig macht. Jetzt sehen sie den Moment gekommen den, ob dieses Unverständnisses über die Jahre angesammelten, Frust zu verbalisieren.

Besonders schade ist auf welch niedrigem Niveau, diese Beiträge noch immer angesiedelt sind. Es braucht nur ganz wenige, ganz einfache Bilder um daraus einen Geschlechterkampf zu konstruieren. Zwei Frauen mehr als bisher in grünen Spitzenpositionen (Mal ehrlich: Wäre im gegenteiligen Fall von der „neuen grünen Männerspitze“ die Rede gewesen?), einen Mann der aus einer Machtposition, die er sehr lange innehatte abgehen musste (Frau/mann betrachte zum Vergleich die Aufregung beim Abgang von prominenten grünen Frauen) und den reichlich lächerlichen Vorwurf des Sexismus von seiten dieses Mannes (Um es auf den Punkt zu bringen: Johannes Voggenhuber wäre nicht mehr gewählt worden, weil er ein Mann sei). Ein Backlash in der geschlechterpolitischen Debatte? Nein, es handelt sich um den Stand auf dem viele an der Diskussion Beteiligte schlichtweg sind, sie haben sich lediglich lange nicht an der Diskussion beteiligt.

Nach dem aufgeregten Diskurs der letzten Tage muss jetzt eine tiefgehende Reflexion und Diskussion über die geschlechterpolitischen Hintergründe dieser Aufgeregtheit folgen. Dann kann die grüne Bewegung mit Gewinn aus dieser Debatte herausgehen.

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