Wien darf nicht London werden?

abcv_sujet1

Die Wiener Linien verweigern einer Initiative auf ihren Bussen zu werben. Soweit ihr gutes Recht – schließlich sollte nicht jeder Blödsinn über einen Bus beworben werden können. Im Fall der „Atheist Bus Campaign“ handelt es sich aber um keinen Blödsinn:  Es sollte und soll der Slogan „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott – Werte sind menschlich – auf uns kommt es an!“ an Bussen der Wiener Linien angebracht werden. Seit 01. 06. sollten drei Busse diese Aufforderung zum Nachdenken durch Wien spazierenfahren. Tun sie aber nicht, weil die Wiener Linien – vorerst ohne Begründung – ihre Zustimmung zurückgezogen haben.

Die Ahteist Bus Campaign ist ein Projekt, das in London entstanden ist. 6 Monate wurde dort auf Bussen kampagnisiert, die Kampagne wurde in mehreren Ländern übernommen. Was in London, Madrid oder Helsinki funktioniert, muss in Wien aber noch lange nicht funktionieren. Wie die Wiener Linien ihre Weigerung begründen wird frau/mann in den nächsten Tagen hoffentlich erfahren. Dass die Wiener Linien sich weigern, ist jedoch ein handfester Skandal. Gerade in einem Land, in dem die Trennung von Staat und Kirchen immer noch nicht vollzogen ist, wäre der von einer solchen Kampagne ausgelöste Diskurs bitter notwendig.

DSC_0019

Hier stellt sich schon die Frage von wo aus das „rote“ Wien regiert wird: Vom Rathaus oder doch vom Stephansplatz aus? Der vorauseilende Gehorsam der Wiener Linien (die zu 100% im Eigentum der Stadt Wien stehen) vor der in Österreich immer noch viel zu mächtigen katholischen Kirche, lässt Zweiteres befürchten. Nicht umsonst ist es in magistratischen Bezirksämtern in Wien auch immer noch usus, dass die Vorlage kirchlicher Dokumente als Voraussetzung für einen Austritt aus der katholischen Kirche verlangt wird. Eine Schikane, die durch das Konkordat (das im Übrigen abgeschafft werden muss) nicht gerechtfertigt ist und die in einem Verwaltungsgerichtshofurteil sogar für unzulässig erklärt wird.

Jetzt gilt es auf das Recht auf freie Meinungsäußerung zu pochen und Druck zu machen auf die Wiener Linien und damit auf die Stadt Wien! Lassen wir nicht zu, dass progressive politische Projekte von religiös verbrähmten PolitikerInnen verhindert werden. Wenn genug Aufregung entsteht werden die Busse fahren. In diesem Sinne: Religion ist heilbar – Wien muss London werden.

Advertisements

2 Kommentare zu „Wien darf nicht London werden?

  1. Hy Georg,
    ich bin nicht deiner Meinung. Kurz und am (für mich) am Punkt gebracht, so eine Glaubensmeinung gehört nicht auf die Öffis. Glauben heißt noch lange nicht Wissen. Ob jetzt Gott tot ist oder nicht, soll jeder selbst entscheiden dürfen, können. Gedanken weiterspinnen – ist vielleicht die nächste Öffi Werbung (Aufruf) Mohammed lebt? Usw…Es ist an mir nicht vorübergegangen – doch absichtlich.
    lganalle Ingrid

  2. Naja, mit „Jesus lebt“ sind wir jedenfalls in unserem alltäglichen Leben sehr oft konfrontiert. Da ist es nur gut und schön, wenn mal ein anderer Denkanstoß öffentliche Präsenz bekommt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s