Geiselhaft

Es ist unerträglich genug, dass Florian P. von der Polizei zu Tode gebracht wurde. Dass in diesem Fall aus einem Ausrutscher zweier Jugendlicher ein Todesfall wurde, liegt neben dem konkreten Fehlleistungen der beiden PolizistInnen auch im Sicherheitswahn, der in unserer Gesellschaft um sich greift begründet. In der Öffentlichkeit wird eine Stimmung erzeugt, die täglich die Angst vor dem Einbruch in die eigenen vier Wände reproduziert. Hinzu kommt ein fahrlässiger Umgang mit Waffen, der vom niederösterreichischen Landesfürsten schon mal indirekt begrüsst wird. Eine gefährliche Mischung, der Florian P. zum Opfer gefallen ist. Konsequenzen? Bis jetzt keine.

Ebenso unerträglich ist aber, dass der 17 jährige Freund von Florian P. immer noch in U-Haft festgehalten wird. Währenddessen dürfen die beiden PolizistInnen wieder Dienst versehen, obwohl der Fall in keiner Weise geklärt ist. Die U-Haft wegen „Tatbegehungsgefahr“ ist völlig unverhältnismäßig. Es handelt sich ja nicht etwa um Delikte gegen Leib und Leben, die der Jugendliche begangen haben soll, sondern um Delikte gegen fremdes Eigentum.

Die empörende Vorgangsweise der Staatsgewalt zieht sich durch: Während der 17 jährige Jugendliche, der vom Tod seines Freundes sicher schwer mitgenommen war und ist, bereits auf dem Krankenbett vernommen wurde, konnten die beiden PolizistInnen erst nach Tagen vernommen werden, weil sie angeblich stark traumatisiert waren. Frau/Mann fragt sich was hier passiert: Es ist nicht der Jugendliche der seinen Freund zu Tode gebracht hat, nichts desto weniger kommt  frau/mann nicht umhin zu denken, dass er genau deswegen in U-Haft sitzt, weil sein Freund zu Tode gebracht wurde.

Die unverhältnismäßige U-Haft erweckt den Anschein, als ob der Jugendliche vom Reden abgehalten werden soll. Die mediale Aufmerksamkeit ist da: Wenn  er in Freiheit wäre, könnte er seine Geschichte der Geschichte, die die Exekutive erzählt, entgegensetzen. In der U-Haft ist er zum Schweigen verurteilt, während die Exekutive ihre Version der Geschichte im öffentlichen Bewusstsein festigt. Es erscheint absurd, dass ein Jugendlicher in U-Haft sitzt, wegen eines Einbruchsdiebstahls, während zwei BeamtInnen schon wieder Dienst versehen, gegen die wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ermittelt wird. Die Logik dahinter ist allerdings so einleuchtend wie empörend: Dem Jugendlichen wird die eigentliche Schuld am Tod seines Freundes zugeschoben, die PolizistInnen werden von jeder Schuld freigesprochen.

Diese U-Haft ist eine Geiselhaft, sie muss so schnell wie möglich beendet werden!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s