Klimagipfel. Oder: Wenn der Wolf kommt!

Wenn ich an den Klimagipfel, der heute in Kopenhagen beginnt denke, kommt mir ein Kommentar von Christoph Chorherr, der mich augenscheinlich nachhaltig beeindruckt hat (sonst könnte ich mich nach mehr als zwei Jahren nicht mehr daran erinnern) in den Sinn (zu finden hier: Apokalyptik ist eine schlechte Strategie).  Chorherr hinterfragt in diesem Kommentar den Alarmismus mit dem die Umweltbewegung und mit ihr die Grünen seit Jahrzehnten auf die Folgen des kurzsichtigen Handelns unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen versuchen. Er erinnert mich damit an eine Fabel, deren Moral wohl vielen Kindern aufgedrängt wurde: Es geht darin um einen Hirtenjungen, der immer wieder das ganze Dorf zusammenruft, weil angeblich ein Wolf der Schafe, die er hütet habhaft werden will. Nachdem der Hirtenjunge diese Aktion Abend für Abend wiederholt, ohne dass jemals ein Wolf die Runde mit seiner Anwesenheit beehrt, wirds den DorfbewohnerInnen irgendwann zu bunt und sie reagieren nicht mehr auf die Rufe des Hirtenjungen. Als der Wolf sich dann tatsächlich ein stell-dich-ein gibt, kann der Hirtenjunge nur zusehen, wie der Wolf mit den Schafen von dannen zieht.

Ich befürchte die globale und noch deutlicher die österreichische Klimapolitik folgt der Moral dieser Fabel und übersieht dabei fataler Weise, dass am Schluss der Geschichte der Wolf kommt. Die Menschheit kann so weitermachen wie bisher, aber um welchen Preis? Mir kommt unsere Klimapolitik so vor wie die kleinbürgerliche Gemütlichkeit der DorfbewohnerInnen, die lieber in ihren warmen Stuben bleiben, als genauer hinzuschauen und sich zu versichern ob es da draußen vielleicht tatsächlich ein Problem gibt. Am Schluss sind wir – wie Sie – wesentlicher Lebensgrundlage beraubt.

Der von uns verursachte Klimawandel ist dabei grundlegende soziale und kulturelle Errungenschaften der Welt in der wir leben zu nichte zu machen. Wir können zuschauen und es uns gemütlich machen bis es nicht mehr geht, oder wir können endlich handeln und versuchen unsere Lebensweise so zu verändern, dass wir dem Klimawandel Einhalt gebieten. Wir dürfen dabei nicht den Hirtenjungen spielen, der jeden Tag darauf hinweist, dass die Welt untergeht, die dann blöderweise am nächsten Tag immer noch steht. Wahrscheinlich wollen wir die diversen erschreckenden Szenarien selbst nicht ganz glauben,  nicht weil wir uns nicht vorstellen können, dass die Welt so wird, sondern, weil wir sie uns nicht so vorstellen wollen. Deshalb müssen wir die Alternativen aufzeigen, vor denen wir als Menschheit stehen. Es sollte uns leicht fallen uns zu entscheiden!

Der Klimagipfel und die globale Klimapolitik können nur dann Erfolg haben, wenn wir im Kleinen wie im Großen aufhören abzuwägen wie schlimm es wann werden wird und beginnen das Problem ernst zu nehmen und zu bearbeiten. Dass es dazu eine Klimapolitikrevolution braucht und keine Klimapolitiksimulation belegen die nackten Fakten. Dazu braucht es keine Apokalypseszenarien. Aber dazu braucht es Verantwortungsbewusstsein, dass sich über kleinbürgerliche Wohlfühlmomente in der warmen Stube hinwegsetzt.  Dass die österreichische Bundesregierung dieses Verantwortungsbewusstsein nicht hat, beweist sie materiell jeden Tag indem sie die kurzsichtige Politik macht, die sie macht und symbolisch, indem Bundeskanzler Faymann es nicht der Mühe wert befindet sich nach Kopenhagen zu begeben. Es ist höchst an der Zeit diese Politik aus dem Dorf zu jagen!

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10 Kommentare zu „Klimagipfel. Oder: Wenn der Wolf kommt!

  1. Danke für die nette Anrede! Da fühlt frau/mann sich doch gleich wertgeschätzt, wenn einem implizit Zensur unterstellt wird und die Diskursfähigkeit zumindest in Frage gestellt wird.

    Aber was solls, du wirst sicher Gründe für deine flabsige Formulierung haben, erlaube mir nur, dass ich gelegentlich nicht anders können werde, als den einen oder anderen ironischen Unterton einzubringen.

    Und um das auch klarzustellen: Ich lösche ausnahmslos jeden rassistischen, faschistoiden, sexistischen und homophoben Kommentar – da endet meine Diskurswilligkeit.

    Beim Lesen deines Blogeintrags habe ich mich gefragt was viele dieser Dinge eigentlich mit dem Klimawandel zu tun haben? Na gut habe ich mir gedacht: Das Anführen von weiteren Verschwörungstheorien kann auch eine Strategie sein um die zentrale Verschwörungstheorie eines Blogeintrags zu untermauern.

    Interessant sind auch die Quellen, die du zitierst, allesamt streng wissenschaftlich (Presse, Wiener Zeitung, SPIEGEL), alles Zeitungen und Zeitschriften, die überhaupt kein Interesse an kurzfristiger Aufregung. Sorry aber das ist wie wenn du dich auf die großartigen Studien über Geschlechterdifferenz, wie sie in unzähligen Illustrierten tagtäglich erscheinen, beziehen würdest.

    Wenn du über die Lobbies sprichst, die für klimafreundliche Technologien in die Presche springen vergisst du gefließentlich die schwächliche Öl-, Kohle- und Gasindustrie, nicht zu vergessen die Autoindustrie. Ich glaube du gehst genau der Propaganda dieser Lobbies auf den Leim.

    Wenn du über Verschwörungstheorien im Internet sprichst vergisst du gefließentlich, dass vor allem eine unterwegs ist: Nämlich die Klimaschwindel-Verschwörungstheorie. Ist bis zu einem gewissen Maße auch verständlich: Da halte ich es ganz mit Al Gore: Es handelt sich eben um eine unbequeme Wahrheit.

    Aber wir können es ja versuchen: Du machst dirs irgendwo auf Höhe des Meeresspiegels gemütlich (Venedig soll schön sein) und wartest. Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, war unsere Arbeit nicht erfolgreich genug. Wenn sie dir nicht bis zum Hals steht war sie erfolgreich, oder aber du hattest allen Unkenrufen zum Trotz recht und hast dein Leben am Meer verbracht.

  2. Entschuldige bitte den unterton, aber das ist ein Thema, das derart an Religion grenzt, dass man als „Neuer“ auf einem Blog schon fast fragen MUSS :-)

    Zu den Quellen:
    Natürlich habe ich bewusst keinen Standard zitiert, wie denn auch, ist das doch sozusagen das grüne Hausblatt. Und englische Links bringen auf meinem Blog eher wenig, denn ob du es glaubst oder nicht, in der Generation >40 gibt es leider sehr viele Menschen, die Englisch entweder nei gelernt haben oder schlicht und einfach nie brauchten und sich deshalb damit schwer tun. Deshalb ist es auch sinnvoller, das 40-Minuten Video übersetzt zu verlinken anstatt des Originals von BBC.
    Überhaupt wäre ich in Blogs viel leichter fündig geworden, da wird dann aber unterstellt, das sei kein Journalismus.
    Genauso wird als Standardargument gerne die Wissenschaft ins Spiel gebracht – zeigst du den Leuten aber dann gebündelt Wissenschaftler, die eine konträre Meinung vertreten, wirds zur Verschwörungstheorie über die Autoindustrie, und derweil wird brav Geld in Form von „Klimazertifikaten“ gescheffelt – sozusagen die Wall Street der Grünen.

    Die siehstb also, es hat religiöse Züge ;-)

  3. Lieber Georg,

    ich finde, dass die Fabel mit dem Wolf in diesem Zusammenhang wirklich gut passt. Auch die Erinnerung an den Kurs der Titanic angesichts eines Eisberges illustriert glaube ich das aktuelle Problem recht gut.

    Schon der Kommentar von „Andy“ weist aber auf einen zentralen Punkt hin: Auf die Glaubwürdigkeit der vielen einander oft widersprechenden Quellen. Wenn ich dem „Hirtenbuben“ oder an die Nachricht vom Eisberg nicht (mehr) glaube, dann wird´s leicht „religiös“.

    Ich fühle mich jedenfalls darin bestärkt, in „meinem Dorf“ (=“Triesterviertel“) am (Wieder-) Aufbau einer glaubwürdigen Informations- und Kommunikationsstruktur zu arbeiten….damit dem „Hirtenbuben“ wieder geglaubt wird, wenn er was sagt…und es nicht allzu leicht als überzogen, parteipolitisch oder religiös motiviert oder als Werbung für irgendwas/irgendwen abgetan werden kann.

    Liebe Grüße, Fritz :-) …dem der Meinungsaustausch mit dir zunehmend gefällt.

  4. @georg und @fritz:
    Eines der Probleme ist, dass nicht differenziert wird, wie in vielen Bereichen. Ich zB. bin absolut dafür, die von Rudi Anschober propagierte „Energiewende“ herbeizuführen, allerdings mit dem Argument, dass es logisch ist und zusätzlich auch noch Geld spart – sozusagen als Mischung zwischen Okönomie und Ökologie.
    Ich glaube hingegen nicht, dass der Mensch das Klima über CO2 beeinflusst, auch nicht, dass alle Regierungen der Welt zusammen auch nur den Hauch einer Chance haben, etwas zu ändern über CO2. Diese Zertifikate sind sowieso der grösste Humbug. Es wäre ja interessant, wieviele Zertifikate Kopenhagen für diese 2 Wochen gekauft hat:

    http://www.telegraph.co.uk/earth/copenhagen-climate-change-confe/6736517/Copenhagen-climate-summit-1200-limos-140-private-planes-and-caviar-wedges.html

    Desweiteren sollte man sich diese 2 Seiten mal zu Gemüte führen, auch wenn man CO2 wirklich als Auslöser des Klimawandels sehen will:
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,665526,00.html

    Der ganze Zauber stärkt nur die AKW-Befürworter, aus deren Anlagen NUR Wasserdampf in die Atmosphäre geblasen wird – das bewiesenermassen wesentlichste Treibhausgas. Von den Risken dieser Anlagen wollen wir jetzt mal gutgläubig und optimistisch, wie wir sind, gar nicht erst reden.

  5. „Hitler ist an der Erderwärmung schuld! Die Klimakonferenz-Religion und ihr Schwachsinn“

    http://freidemzen.wordpress.com/2009/12/08/hitler-ist-an-der-erderwarmung-schuld-die-klimakonferenz-religion-und-ihr-schwachsinn/

    Die Erderwärmung ist für alle Beteiligten eine tolle Sache – die Geschichte wird ausgeschlachtet wie ein zu blutig geratener Massenmord – und alle wollen dabei sein!

    Kritik ist hier nicht erlaubt – wie im besten totalitären Staate – und wo sind die anderen Szenarien – tot geschrieben!

    Weltuntergangsgaudi für alle!

  6. @Andy: Fragt sich nur welche Argumentation religiösen Mustern verfolgt. Ich habe meinem Blogeintrag versucht die apokalyptische Agitation und die dahinter liegende Moral im Bezug auf den Klimawandel in Frage zu stellen und gleichzeitig für die absolute Notwendigkeit von Klimapolitik zu plädieren. Darauf bist du aber in keiner Weise eingegangen. Vielmehr versuchst du deine Kommentare hier zu nutzen um das zu verbreiten, was anscheinend deine Mission ist, den Klimaschwindel. Ich finde dabei bringst du schon gehörig religiösen Pathos auf.

    @Fritz: Ich finde deine Ansichten zu öffentlicher Debatte und damit zu Medienpolitik sehr erfreulich, weil ich glaube, dass funktionierende Informations- und Kommunikationsstrukturen ein Herzstück funktionierender demokratischer Prozesse sind. Spannend finde ich diesbezüglich vor allem den Ansatz diese Strukturen im Grätzel aufzubauen. Wie du das angehst interessiert mich jedenfalls genauer, denn gerade im Kleinen könnten solche Strukturen, wenn sie funktionieren ein kräftiges Ermächtigungs- und Ermutigungsinstrument für die/den Einzelnen sein.

    @peterwurst: Sorry, aber mit deinem religiösen und verschwörungstheoretischem Gefasel, kann ich beim besten Willen nix anfangen.

  7. Hallo, Georg!

    Ich habe deine Antwort erst jetzt „entdeckt“ und freue mich sehr über deine positive Bewertung meiner Bemühungen, in meinem Wohngrätzl „Triesterviertel“ ein möglichst transparentes Kommnunikations- und Informationsnetz aufzubauen. (Ein schon länger im „Unruhestand“ befindlicher „Grüner“ hat das einmal etwas anders gesehen.)
    Du bestätigst meine Überzeugung, dass „gerade im Kleinen solche Strukturen, wenn sie funktionieren, ein kräftiges Ermächtigungs- und Ermutigungsinstrument für die/den Einzelnen sein könnten“.

    Nun berührt dieses Konzept – wie ich meine – zwingend auch die Frage: Wie gehe ich mit jenem Teil der BewohnerInnen um bzw. mit deren gewählten BezirkspolitikerInnen, die Meinungen vertreten, die ich persönlich (mehr oder weniger) ablehne? Und da ich („no na“) für ein Mehrparteiensystem bin und daher seit Beginn meiner Bemühungen den Kontakt zu den gewählten BezirkspolitikerInnen ALLER Fraktionen suche, habe ich (seit 1992) auch Kontakt (sogar einen sehr guten) zu FPÖ-BezirkspolitikerInnen. Zuletzt war am 9.12. ein sehr positives Gespräch mit Bezirksrat Manfred Haidinger und ich würde mich freuen, wenn ich auch mit der FPÖ ein konkretes Projekt im „Triesterviertel“ verwirklichen könnte, wennmöglich mit deren Jugendgruppe RFJ.
    Ist das nicht AUCH jene „Ermächtigung und Ermutigung“, die du ganz allgemein formuliert gut findest? Meine Antwort wäre natürlich: Ja! Und deine?

    Liebe Grüße, Fritz :-)

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