Es war noch nie so leicht ein Grüner zu sein!

In Zeiten in denen sich Heute wie Standard, Krone wie Falter bemühen die Seiten ihrer Zeitungen mit Stories über die grüninternen Konflikte in Mariahilf und Josefstadt zu füllen, mag dieser Satz paradox klingen. Ist er aber nicht.

Die Grünen und das ist viel wichtiger als (demokratische) Konflikte in zwei Bezirksorganisationen, sind die einzige Partei die auf die wesentlichen Zukunftsfragen Antworten jenseits von Populismus und Kleingärtnerei geben: Die ganze Welt diskutiert über die Klimakrise, die österreichische Bundesregierung diskutiert auch darüber, die Wiener Landesregierung diskutiert nicht einmal darüber und die Grünen sind die einzigen, denen ich zutraue, etwas substanzielles dagegen zu unternehmen. Die ganze Welt spricht über die Energiekrise und den notwendigen Wandel hin zu erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung spricht auch davon, die Wiener Landesregierung spricht nicht einmal davon, die Grünen sind die einzige Partei, der ich zutraue die Energiewende in Österreich und in Wien einzuleiten und umzusetzen. Der Ausstieg aus der Abhängigkeit von Öl ist spätestens seit den jüngsten Erfahrungen am Golf von Mexiko in aller Munde. Nur den Grünen traue ich zu, dass sie „Raus aus dem Öl“ auch jenseits von Lippenbekenntnissen wirklich ernst meinen und nicht beim ersten Gegenwind irgendeiner Lobby in die Knie gehen.

Verteilungsgerechtigkeit wird uns in Österreich in den nächsten Jahren massiv beschäftigen. Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise schlagen sich auf die Budgets der nächsten Jahre nieder. Wie, das ist noch weitestgehend offen. ÖVP, FPÖ und BZÖ zeigen keine Anstalten irgendwelche Schritte zu unternehmen um jene zur Verantwortung zu ziehen, die vor und an der Krise verdient haben und sie in ihrem Profitwahn verursacht haben. Im Gegenteil, alle bisher bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung zielen auf die Beschneidung der sowieso geringen Ressourcen jener ab, die an dieser Krise schuldlos waren. Die SPÖ führt zwar eine Verteilungsgerechigtkeitsdebatte, sie ist aber schon vor Einstieg in die Debatte wieder umgefallen. Vermögenssteuern, echte Armutsbekämpfung und faire Mindestlöhne, das wird es nur mit den Grünen geben.

Rassismus und Ausgrenzung. Das ist nicht nur das einzige Thema von FPÖ und BZÖ. Es ist auch leitendes Prinzip für ÖVP und SPÖ beim Schaffen von menschenfeindlichen Gesetzen, teils aus vorauseilendem Gehorsam der FPÖ gegenüber heraus, teils aus purem Opportunismus. Integrationspolitik wird in diesem Klima verunmöglicht. Ressentiments werden geschürt. Die einzige Partei, die diesem xenophoben Mainstream etwas entgegenzusetzen hat, sind die Grünen.

Bildungspolitik, das wesentlichste Feld zum Erreichen von Chancengleichheit in unserer Gesellschaft, wird von dieser Bundesregierung nach den konservativen Prinzipien von Vorgestern ausgerichtet. Die SPÖ redet zwar von einer Gesamtschule, in der Verpackung der Schulversuche ist aber meist nicht viel mehr als das drinnen, was sich bewährt hat um Bildungsarmut von Generation zu Generation zu vererben. Eine ernsthafte Reform dieses Bildungssystems, auch das traue ich nur den Grünen zu.

Während die Grünen wegen demokratischen Wahlen in zwei Bezirksgruppen, bei denen wichtige Mitglieder dieser Gruppen abgewählt wurden in den Medien als „ChaotInnen“  dargestellt werden, leisten sich andere Parteien nur kleinere Korruptionsskandale. Ich finde nichts dabei in einer Partei mitzuarbeiten in der es zu einem regen demokratischen Wechsel kommt, auch wenn dieser manchmal kurzfristig weh tut. Ich würde es aber keine Minute in einer Partei aushalten, die bis zum Rand voll mit Rechtsextremen ist und gute Freundschaften zu den Diktatoren dieser Welt pflegt, oder in einer Partei, die nichts an Koalitionen mit rechtsextremen Parteien auszusetzen findet und für Finanzminister immer die Unschuldsvermutung aufrecht erhält, oder in einer Partei, die jahrelang dabei mitgemacht hat die Gelder von Gewerkschaftsmitgliedern zu verspekulieren.

Ich bleibe dabei: Es war noch nie so leicht ein Grüner zu sein!

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6 Kommentare zu „Es war noch nie so leicht ein Grüner zu sein!

  1. Lb Georg,

    Dein Optimismus in Ehren. Aber ich habe mir eigentlich nichts anderes erwartet, als dass du als stellvertretender Landessprecher der Grünen hier verzweifelt Durchhalteparolen verbreitest.

    In Summe zählt nicht, wie einfach es für Dich ist, Grüner zu sein. Es zählt, ob es auch für die Leute einfach ist, welche bislang für die Ergebnisse der Grünen bei Wahlen verantwortlich waren, Grünwähler bleiben zu können.

    Meine Antwort auf diesen Beitrag ist:

    Es war noch nie so schwer, Grüner zu bleiben. Es ist annähernd unmöglich, Grüner zu werden. Das ist die aktuelle Situation.

    Und das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass es in 2 Bezirken Querelen gegeben hat, noch gibt, und auch noch länger sein wird. Denn gerade in diesen beiden Bezirken werden weder die einen Grünen noch die anderen Grünen den Bezirksvorsteher stellen. Aber beide werden im Bezirksparlament vertreten sein.

    Chance vertan. Ich sehe, dass dies dem Landesvorstand im Grunde anzulasten ist. Das soll mir doch keiner weismachen versuchen, dass die Jerusalem-Aktion nicht von oben gesteuert oder zumindest stark unterstützt war.

    Das hat aber auch damit zu tun, dass Leute wie zB ein Ladstätter der Meinung sind, sie könnten den Wählern die Welt erklären! Es ist zu wenig darauf zu verweisen, dass die Grünen eben die einzige linke Partei im Parlament wären. Auch die amerikanischen Demokraten sind Lefties. Wie man sieht, schon sehr eigenartige!

    Links sind die Grünen doch schon lange nicht mehr, das ist doch eine noch immer gern gehegte Illusion! Es gibt keine linke Partei im Parlament! Grün wird doch schon lange von vielen als Schwarzpartei mit grünem Mascherl und bestimmten, von den Schwarzen eben nicht angenommenen Themen angesehen. Und bei genauem Hinsehen ist es das doch!

    Und das Ungeheuer der Blauen an die Wand zu zeichnen, das ist für sich gesehen noch kein ausreichendes Programm.

    lg H.

  2. Was Sie als „Optimismus“ oder „Durchhalteparolen“ bezeichnen, ist meine Motivation grüne Politik zu machen. Und diese Motivation grüne Politik zu machen, die Gründe warum es grüne Politik braucht, müssen dargestellt werden, damit wir nicht dauernd darüber diskutieren, dass in zwei Bezirken demokratische Entscheidungen getroffen wurden, die dazu geführt haben, dass sich die jeweils Unterlegenen beleidigt für den Schritt entschieden haben mit einer eigenen Liste zu kandidieren.
    Wir können jetzt weiterhin die Verschwörungstheorien diskutieren, was der Landesvorstand der Wiener Grünen in seiner Allmacht alles getan hat, oder wir diskutieren darüber was an grüner Politik gut und was zu kritisieren ist. Was mich allerdings nicht interessiert, ist es diese Diskussion auf Basis von Aussagen wie „Die Grünen werden als Schwarzpartei mit grünem Mascherl“ gesehen „Und bei genauerem Hinsehen ist es das doch“ zu führen, weil das nur das Reproduzieren von Klischees über die Grünen ohne ein einziges Argument zu nennen ist.

  3. Richtig… die Themen sind doch aufgelegte Elfer für die Grünen! Tatsache, die Grünen beten schon seit Jahrzehnten das Heilige Gutmenschentum aus dem Fernseher… Wenn es denn „noch nie so leicht war, ein Grüner zu sein“… dann frage ich mich, warum die Grünen aus ihrem 10%-Oppositions-Dasein einfach nicht herauskommen???

    Leider hat die Partei der Grünen eben nicht „Antworten“ sondern nur „Ideen“, die zwar schön klingen, aber als solche nicht umsetzbar sind, und um ehrlich zu sein auch schon 15 Jahre alt sind. Und Wenn es drum geht Ideen in umsetzbare Prozesse zu integrieren, dann sind die Grünen leider derart kompromisslos, kompliziert und stur, dass es scheitert. Großartig. Mittlerweile sind die Schwarzen leider eben mehr „grün“ geworden, als die Grünen selber… weil die im Gegensatz Umweltpolitik „machen“, anstatt nur Ideologie-Parolen zu Klima, Ölausstieg und Energieproblematik zu polemisieren.
    (Und um dem Standardsager vorzubeugen: Ihr hättet schon mehr als einmal die Chance gehabt, in eine Regierung geholt zu werden, wenn ihr doch nur ein bisserl von Eurem Ross kommen würdet – dann hättet ihr statt opponieren auch wirklich mitgestalten können)

    Ich habe 12 Jahre lang kompromisslos Grün gewählt… und bin mittlerweile maßlos enttäuscht von dieser Politik der Selbstbeweihräucherung. Denn ich sehe in der Protestpolitik und der Verweigerung sich an Problemlösungsprozessen kompromissbereit zu engagieren, eine Flucht ins heilige Eck der Ideologie: Wer ständig behauptet, eh schon immer gegen all das Böse Öl, die böse Umweltzerstörung und gegen die bösen Kapitalisten und Konzerne gewesen zu sein, der wäscht sich damit sein Gewissen rein. Nichts weiter ist das für mich.

    Wenn man auf die WählerInnen abzielt, die rein aus Ideologie und Gewissensgründen Grün wählen, dann kommt man eben nicht über die 10%. Fertig. Dann bleibt Ihr eben Opposition bis ans bittere Ende der Demokratie. Großartig.

    Wenn ich mir Eure Parteichefin im ORF Sommergespräch angesehen habe, dann musste ich mit Entsetzen als Antwort auf viele brennende Fragen anhören: „Ja bitte, das ist doch klar.“ oder „Das ist ja mittlerweile kein Problem“… mit Alternativenergie, Solarkollektoren, Photovoltaik und Häuserldämmung Wien energieautark zu machen. (?) Was soll man darauf noch sagen?

    Realitätsverlust.

  4. Ahja…

    …als die Fr. Bundessprecherin meinte „in Graz sind wir auch in der Stadtregierung“ und es werde dort viel erreicht… mußte ich lachen.

    In Graz, trotz Regierungsbeteiligung, schaffen es die Grünen nicht, die Öffis auch nur um einen Cent billiger und attraktiver zu machen… nein… im Gegenteil, man schafft es auch nicht Radwege zu erneuern, oder neue Radwege zu schaffen… nein… im Gegenteil man optimiert eben die Kurzparkzonen zu „Abzockerzonen“… und stimmt mit der ÖVP-Nagl zu Riesigen Kraftwerksneubauten,.. oder schaut tatenlos zu wie die Junge ÖVP einen Partybeach im „heiligen Naherholungs- und Naturraum Mur“ betreibt (nebenbei, ohne ein einziges WC dort installiert zu haben, pfui) … na danke!

  5. Lb Georg Prack,

    Es ist schon sehr eigenartig, dass Mandatare bestimmen, worüber sie mit ihren potentiellen Wählern diskutieren möchten.

    Du musst es Dir in der Tat gefallen lassen, dass eben Fragen und Einschätzungen auf den Tisch gelegt werden. So ging es Ladstätter schon zweimal mit mir und ich ertappe Dich gerade dabei, dass Du einen ähnlichen Ton anschlägst.

    Ja, ich bleibe dabei! Auch wenn es Teil deines Selbstverständnisses ist, dass Du ja recht hast und dass du auf einem demokratischen Verständnis herumreitest, welches näher betrachtet, von den meisten Wählern als Sauerei empfunden wird. Ich hab keine oder wenig Ahnung, was im 8ten passiert ist, aber nach Aussage der Landessprechering Nousek – sie hat es sogar so geschrieben – ist der neue Spitzenkandidat schon seit ein paar Monaten voll aktiv im Bezirk.

    Ach Gott´che, wen überzeugt sowas?

    Was aber im 6ten passiert ist, das hat mit lupenreiner Demokratie – und zwar 100%er wie sie selbst im Standard geschrieben hat – nichts zu tun.

    Übrig bleibt, die Grünen sind in der großen Politik angekommen, in dem Machtspielchen in der Form gespielt werden, wie man sie eben bei den anderen anprangert.

    Wenn notwendig, dann karrt man sein Wahlvolk eben heran, und spielt mit ihnen lupenreine Demokratie. Unabhängig davon, dass dieses Wahlvolk zum Zeitpunkt der Wahl sogar Schummelzettel benötigt um überhaupt zu wissen, wie sie zu wählen haben. Ist ja kompliziert.

    Und Dir gebe ich den guten Rat, es gar nicht erst zu versuchen, das hohe Ross zu besteigen und mir als Wähler vorzuschreiben, welche Themen ich gegenüber Wahlwerbenden anzuschlagen habe!

    Wenn Du es nicht verstehst, was damit gemeint ist, dass „Die Grünen als Schwarzpartei mit grünem Mascherl“ gesehen werden, dann frage Dich lieber, warum DU ES NICHT VERSTEHST, aber diktiere keinem Wähler, welche Eindrücke er inzwischen von den Grünen gewonnen hat und wie eben diese Grünen in Diskussionen, welche außerhalb der Partei geführt werden, so gesehen werden.

    Und bedenke: Wenn außerhalb der Partei noch über die Grünen diskutiert wird, ist das ein gutes Zeichen. Schlimm wirds nur, wenn nicht mehr über die Grünen geredet wird.

    Dann seid ihr dort, wo die LIF gerade ist. Oder MUT, oder sonstwas.

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