Umweltkatastrophen

Kennen Sie das? Sie hören oder lesen etwas, es verärgert Sie und lässt Sie nicht mehr los? Genauso ist es mir mit dem Interview ergangen, für das Gerhard Wlodkowski, Präsident der österreichischen Landwirtschaftskammer, im Ö1 Mittagsjournal am Dienstag, 26. Juli im „Journal zu Gast“ war. Die Kaltschnäuzigkeit mit der der Präsident der Landwirtschaftskammer steigende Lebensmittelpreise kommentiert und in Zusammenhang mit Umweltkatastrophen stellt ist widerlich:

Ö1: Die Lebensmittelpreise sind auf dem Weltmarkt in letzter Zeit stark gestiegen. Auch die Arbeiterkammer hat kürzlich darauf hingewiesen. Nützt diese Entwicklung den Bauern, verdienen die daran, an den steigenden Lebensmittelpreisen?

Wlodkowski: Insgesamt sind mehrere Komponenten ausschlaggebend, warum im Moment die Lebensmittelpreise sehr stark steigen: Zum einen ist eine größere Nachfrage, zum anderen gibt es immer wieder Umweltkatastrophen wie Dürre oder Überschwemmungen. So dass insgesamt die Entwicklungen für unsere Bauern sich als positiv darstellen, wenn unsere Preise steigen. Auf der anderen Seite mit dem Wehrmutstropfen, dass leider auch unsere praktisch Betriebsmittel teurer werden und damit unter dem Strich nicht so viel übrig bleibt.

Nun ist die Forderung, dass LandwirtInnen für Ihre Produkte adäquate Preise bezahlt werden, vernünftig. Vor dem Hintergrund der aktuellen Dürre und der damit verbundenen Hungersnot in Somalia von einer positiven „Entwicklung für unsere Bauern“ zu sprechen, ist aber an Zynismus kaum zu überbieten. Die Preisstützungspolitik der EU für europäische Agrarexporte behindert strukturell die Entwicklung der lokalen Landwirtschaft in Ländern wie Somalia, oder zerstört sie sogar. Diese Politik schafft bzw. steigert die Anfälligkeit dieser Länder für Dürrekatastrophen und Hungersnöte.

Wenn Dürre und Überschwemmungen eine ausschlaggebende Komponente dafür sind, dass „unseren Bauern“ höhere Lebensmittelpreise bezahlt werden, dann liegt der Fehler im System. Das ist alles nicht neu. Aber die Unverfrorenheit mit der diese zynische Politik vom Präsidenten der österreischischen Landwirtschaftskammer dargestellt wird, ohne auch nur ein kritisches Wort über den Kontext zu verlieren, muss dekonstruiert werden. Die europäische Agrarexportpolitik in ihrer jetzigen Form ist eine Umweltkatastrophe für sich, gerade weil sie die Umwelt, den Kontext systematisch ausblendet und damit Katastrophen wie jene in Somalia in Kauf nimmt.

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