Feminismus vs. Mulitkulturalismus?

Im Herbst 2005 erschien eine Broschüre mit dem viel versprechenden Titel „Maßnahmen gegen traditionsbedingte Gewalt gegen Frauen in Österreich“. Alle weiblichen Mitglieder der schwarz-orangen Bundesregierung lieferten darin Beiträge zu Themen wie Zwangsheirat, Genitalverstümmelung oder Ehrenmord.

Beachtenswert, dass sich die rechtskonservative Regierung eines Themas annahm, das die feministische Theorie schon lange auf die politische Tagesordnung zu bringen versucht. Die Broschüre ist eine der wenigen frauenpolitischen Initiativen einer Regierung, die es als frauenpolitische Errungenschaften ansah, eine Männerabteilung einzurichten. Und: Bei einzelnen Beiträgen, kann frau/mann sich des Eindrucks nicht erwehren, durch sie solle eine xenophobe Intention transportiert werden. Gewalt in der Familie, von der zumindest eine von fünf Frauen betroffen ist, wird nicht einmal erwähnt. „Traditionsbedingt“ ist nur, was ins Bild eines „frauenunterdrückenden Islam“ passt.

Warum ich dieses schwarz-orange Pamphlet aufwärme? Weil die grünalternative Bewegung sich schwer tut im Spannungsfeld zwischen Multikulturalismus und Feminismus Position zu beziehen. Damit setzen wir nicht nur unsere Glaubwürdigkeit aufs Spiel, weil wir durch unser Schweigen eine feministische Grundhaltung, die wir so vehement vertreten, relativieren. Wir überlassen damit den Rechtskonservativen die Definitionsmacht – was in unsäglichen Leitkulturdebatten und der Verquickung von Frauenrechten mit rassistischen Parolen gipfelt (etwa durch die FPÖ im letzten Wahlkampf).

Jedes multikulturelle Modell sollte die Stimmen der weniger machtvollen Gruppen innerhalb einer kulturellen Minderheit berücksichtigen. Dem ist derzeit oft nicht so. Erstens: Der Dialog, den liberale Teile der Gesellschaft mit kulturellen Minderheiten führen, findet oftmals mit den, in diesen Minderheiten etablierten Autoritäten – privilegiert, männlich, traditionalistisch – statt.

Diese erheben den Anspruch für alle zu sprechen und blenden so andere Perspektiven – gerade feministische – aus. Zweitens: Patriarchale kulturelle Traditionen werden von der sie umgebenden liberalen Gesellschaft vielfach als Teil der „Privatsphäre“ angesehen.

Auf beide Problemstellungen haben Feministinnen eine Antwort: Hierarchie muss als patriarchale HERRschaft in Frage gestellt werden. Und: Das Private ist politisch!

Veröffenltlicht in PLANET 52

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