Operation Spring

Im Jahr 1999 wird der erste „große Lauschangriff“ von der österreichischen Polizei durchgeführt. Ziel: Ein international agierender nigerianischer Drogenring soll ausgehoben werden, was genauso konstruiert ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Polizei, Innenminister und Kronen Zeitung feiern einen „großen Erfolg gegen die organisierte Kriminalität.“

Daraus entwickelt sich das größte Justizverfahren gegen Afrikaner- Innen in Österreich, bei dem fast alle Angeklagten zu durchwegs hohen Strafen verurteilt werden.

Die Dokumentation „Operation Spring“ behandelt die größte kriminalpolizeiliche Aktion seit 1945. Akribisch werden dabei Details eines Justizskandals enthüllt, der (noch) keiner ist.

Der Film zeigt eine erschreckende Praxis der österreichischen Justiz auf. Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungsarbeit werden von den Gerichten un-, oder zuwenig geprüft übernommen. So zeigt der Dokumentarthriller auf, dass bei den Operation Spring Prozessen oftmals die Auswertung der Videoüberwachung durch die Polizei übernommen wird und nicht das Video selbst als Beweis vorgelegt wird.

Was der Film leistet ist den ganzen Komplex rund um die „Operation Spring“ aus kurzfristiger Medienberichterstattung zu reißen und damit freizulegen. Das Bild, dass sich bietet ist erschreckend: Anonymisierte Zeugen, die nach Jahren ihre Aussagen zurück nehmen, weil ihre Deals mit der Polizei nicht aufgegangen sind, oder sie ihr Gewissen quält. Übersetzungen der Audioüberwachung, die fehlerhaft sind, bzw. in Passagen vom polizeilichen Übersetzer (sic!) zusammengefasst werden (freie Beweiswürdigung durch die Polizei???).

„Operation Spring“ zeigt den Umgang der Medien mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen auf. Statt zu berichten wird geurteilt, wenn nicht gar kampagnisiert. So lässt der ORF in einer ZIB 1 einen Polizeiinspektor unkommentiert zu Wort kommen, der AfrikanerInnen, die an einer Demonstration für Marcus Omofuma, der bei seiner Abschiebung zu Tode gebracht wurde, der Ausrichtung solcher Demonstrationen bezichtigt, einzig um von ihrer kriminellen Organisation abzulenken. Auf die Interpretation, dass es genau umgekehrt sein könnte, dass nämlich Politik und Polizei vom Tod Marcus Omofumas ablenken wollten, kommen die Medien, auch wenn dies genauso Spekulation wäre, nicht.

Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber haben mit dieser Dokumentation einen wertvollen Diskussionsbeitrag zum Zustand der österreichischen Justiz und zu strukturellem Rassismus geliefert. Der Film ist spannend und löst Wut aus. Vielleicht kann er ein Anstoß sein, die Operation Spring Verfahren neu aufzurollen und ganz sicher ist er ein Beitrag eine breite Diskussion zu starten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ein Film von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber
www.operation-spring.com
Kamera: Robert Angst
Dramaturgische Beratung Schnitt: Wolfgang Widerhofer
Länge: 94 Min

Suspect, Ausgabe 11/Jahrgang 2007 – Freiraum! Selbstbestimmt!

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